Fellfarben beim Pudel: 

Warum man nicht alles sieht

Zwei Pudel anzuschauen und daraus die Farbe der Welpen abzuleiten, klingt einfach: Der eine ist braun, der andere schwarz, also werden die Welpen irgendwo dazwischen liegen. So funktioniert es aber nicht. Die Fellfarbe entsteht nicht wie eine Mischfarbe im Farbtopf, sondern aus dem Zusammenspiel mehrerer Gene. Jedes Gen entscheidet über einen anderen Teil der Farbe: welches Pigment gebildet wird, ob es schwarz oder braun ist, wie stark es aufgehellt wird und wie es im Fell verteilt ist.

Deshalb kann ein Hund Farbanlagen tragen, die man ihm nicht ansieht. Ich erkläre die wichtigsten Gene kurz, jedes mit einem Buchstaben, den man auch in Gentests wiederfindet.

E-Locus: Wird dunkles Pigment sichtbar?

Hunde haben zwei Arten von Fellpigment: Eumelanin ist schwarz oder braun, Phäomelanin ist gelb bis rötlich. Bestimmte Varianten am E-Locus bewirken, dass das dunkle Pigment im Fell nicht sichtbar wird. Der Hund erscheint dann rot oder gelb, obwohl er genetisch weitere Anlagen für dunkles Pigment trägt.

Man sieht also die Farbe des Hundes, aber nicht automatisch alle Anlagen, die er mitbringt. Das ist auch der Grund, warum bei rot oder gelb gefärbten Hunden eine Merle-Anlage im Fell verdeckt bleiben kann.

B-Locus: schwarz oder braun?

Der B-Locus entscheidet vereinfacht, ob das dunkle Pigment schwarz oder braun erscheint. Beteiligt ist das Gen TYRP1. Ein brauner Pudel trägt also nicht nur “Braun”. Er kann zusätzlich weitere Farbanlagen haben, die man von außen nicht erkennt.

D-Locus: wird die Farbe aufgehellt?

Der D-Locus kann eine vorhandene Farbe verdünnen, so wie man Farbe mit Wasser aufhellt. Aus Schwarz wird dann ein bläuliches Grau, auch Braun kann heller werden. Der D-Locus erschafft also keine neue Farbe, er verändert eine, die schon da ist.

A-Locus: wie wird das Pigment im Haar verteilt?

Hier geht es um die Verteilung des Pigments, zum Beispiel bei Agouti- oder Sable-Zeichnung. Dabei wechseln sich dunklere und hellere Bereiche im einzelnen Haar ab, oder das Fell wirkt insgesamt gelblich bis rötlich, mit dunkleren Haarspitzen. Ob man das Muster wirklich sieht, hängt auch von anderen Genen ab. Man kann deshalb nie nur auf einen einzelnen Locus schauen.

S-Locus: woher kommt das Weiß?

Weiße Zeichnungen entstehen ebenfalls durch genetische Faktoren. Entscheidend ist, welche Anlagen beide Elterntiere mitbringen und wie sie zusammenkommen. Ein brauner und ein weiß gezeichneter Pudel bekommen deshalb nicht automatisch braun-weiße Welpen. Dafür müssen die genetischen Voraussetzungen vorhanden sein.

M-Locus: Merle

Merle ist keine eigene Farbe, sondern ein Muster. Dabei wird dunkles Pigment an bestimmten Stellen aufgehellt, und es entsteht die typische Zeichnung mit helleren und dunkleren Bereichen. Verantwortlich ist eine Variante im PMEL-Gen, in älteren Veröffentlichungen auch SILV genannt. Es gibt verschiedene Merle-Varianten, die unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Auch hier kann das Aussehen täuschen, ein DNA-Test zeigt genauer, was tatsächlich vorliegt.

Mehr dazu findest Du auf der Seite Merle beim Pudel.

Warum testen wir die Farbanlagen?

Nicht, weil wir ausgefallene Farben züchten wollen. Wir wollen wissen, was unsere Hunde genetisch mitbringen. Das hilft uns, Verpaarungen zu planen und mögliche Farben und Zeichnungen besser einzuschätzen. Ein Gentest zeigt immer nur das, wonach tatsächlich gesucht wurde, und er sagt nichts darüber aus, ob ein Hund ein guter Familienhund ist.

Gesundheit, Charakter, Wesen und eine gute Aufzucht sind uns wichtiger als eine bestimmte Fellfarbe.

 

© Constanze Maaßen 2025. Alle Rechte vorbehalten.

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