Merle bei uns

offen und klar:

Ja, wir züchten mit Merle. Ella trägt laut DNA-Test eine Kopie der Merle-Variante und ist Teil unserer Zucht. Ich schreibe das so klar, weil Du es wissen sollst, bevor Du Dich für einen Welpen von uns entscheidest.

Unsere Regel bei der Verpaarung

Eine Regel gilt bei uns ohne Ausnahme: Wir verpaaren niemals zwei Merle-Träger miteinander. Dabei kann es zu schweren Schädigungen kommen, vor allem an Augen und Gehör. Deshalb kennen wir vor jeder Verpaarung den Merle-Status beider Elterntiere, auch den des Deckrüden, aus dem Gentest und nicht aus dem Fell.

Was ist Merle eigentlich?

Merle ist keine eigene Farbe, sondern eine Zeichnung im Fell. Vereinfacht gesagt wird dunkles Pigment an bestimmten Stellen aufgehellt. Dadurch entstehen die typischen helleren und dunkleren Bereiche. Dahinter steckt eine Variante im PMEL-Gen. Das klingt kompliziert, ist für die Zucht aber wichtig: Es gibt verschiedene Merle-Varianten, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Manche Hunde zeigen das Muster sehr deutlich, bei anderen sieht man kaum etwas davon. Deshalb kann man Merle nicht immer zuverlässig am Fell erkennen.

Wenn man Merle gar nicht sieht

Das ist einer der Punkte, die viele nicht wissen. Merle wirkt auf dunkles Pigment im Fell. Hunde, die genetisch rot oder gelb sind, haben dieses Pigment im Fell nicht. Bei ihnen bleibt das Muster deshalb verdeckt, auch wenn sie die Merle-Variante tragen. Ein Hund kann also Merle tragen, ohne dass man es ihm ansieht. Für die Zucht ist genau das entscheidend. Wir verlassen uns nicht auf die Fellfarbe, sondern auf den Gentest.

Ist ein Merle-Hund automatisch krank?

Nein. Ein Merle-Gentest ist keine Krankheitsdiagnose.

Problematisch kann es werden, wenn zwei Merle-Träger miteinander verpaart werden. Dann kann das Risiko für bestimmte Augen- und Hörprobleme deutlich steigen. Eine Studie mit 153 Merle-Hunden hat zum Beispiel gezeigt, dass Hörstörungen bei Hunden mit zwei Merle-Kopien deutlich häufiger vorkamen als bei Hunden mit nur einer. (Strain et al. 2009)

Das bedeutet für uns nicht: Merle ist krank. Es bedeutet: Wenn Merle in einer Zucht eine Rolle spielt, muss man wissen, was die Hunde genetisch mitbringen, und die Verpaarungen entsprechend planen. Genau das tun wir.

Und was hat das mit dem Pudel zu tun?

Hier wird es manchmal hitzig. Man hört schnell den Satz: “Merle gehört nicht zum Pudel.” Dabei muss man zwei Dinge auseinanderhalten. Eine Farbe oder Zeichnung kann in einem Rassestandard nicht vorgesehen oder nicht zugelassen sein. Das ist eine Frage des Standards und der jeweiligen Zuchtordnung. Die Genetik dahinter ist eine andere Sache. Ob ein Hund eine bestimmte Fellzeichnung zeigt, sagt allein nichts darüber aus, wie gesund, wesensfest oder gut aufgezogen er ist. Umgekehrt macht eine interessante Farbe auch noch keinen guten Zuchthund.

Für uns zählen deshalb mehr Dinge als die Farbe: Gesundheit, Wesen, Aufzucht und eine vernünftige Zuchtplanung.

Wie kommt Merle überhaupt in den Pudel?

Die ehrliche Antwort ist: Wir wissen es nicht genau. Merle ist bei verschiedenen Hunderassen bekannt. Wissenschaftlich ist gut untersucht, dass die Merle-Zeichnung mit einer bestimmten Veränderung im PMEL-Gen zusammenhängt. Wie und wann diese Variante in bestimmte Pudelpopulationen gelangt ist, lässt sich heute nicht sicher zurückverfolgen. Dazu gibt es verschiedene Theorien. Eine davon als Tatsache zu verkaufen, wäre nicht seriös.

Und Ella?

Ella ist für uns ein gutes Beispiel dafür, warum man bei Merle genauer hinschauen sollte.

Bei ihr wurde im DNA-Test eine Kopie der Merle-Variante festgestellt. Das ist eine Information aus ihrem Gentest, keine Diagnose, und es bedeutet nicht, dass Ella krank ist. Ella ist für uns vor allem Ella, mit ihrem eigenen Charakter, ihren Stärken und ihren Eigenheiten. Für unsere Zuchtplanung ist ihr Gentest trotzdem wichtig, denn wir wollen wissen, was genetisch vorhanden ist, und uns nicht nur darauf verlassen, was man im Fell sieht.

Bei Ella sieht man von Merle nichts. Der Grund ist ihre Fellfarbe: Sie ist genetisch rot beziehungsweise gelb, dadurch bleibt das Muster verdeckt.

Was bedeutet das für unsere Welpen?

Ein Welpe von Ella kann Merle tragen. Ob man es sieht, hängt von der Fellfarbe ab. Welpen mit dunklem Pigment können das Muster sichtbar zeigen, rot oder gelb gefärbte Welpen sehen trotzdem unauffällig aus. Ich sage das jedem Interessenten im Gespräch, und es steht auch im Vertrag: Dein Welpe kann Merle tragen, und vor einer möglichen Verpaarung sollte er genetisch ausgewertet werden.

Wichtig ist uns dabei eines: Zwei Merle-Träger dürfen nie miteinander verpaart werden, sonst besteht die Gefahr schwerer Schädigungen.

Unsere Welpen werden nicht automatisch auf Merle getestet. Auf Wunsch lassen wir jeden Welpen vor der Abgabe testen, und Du bekommst das Ergebnis. Die Kosten trägst Du zum Selbstkostenpreis. Sag bitte schon bei der Reservierung Bescheid, damit das Ergebnis bei der Abgabe vorliegt.

Was uns wichtig ist

Wir züchten nicht mit dem Ziel, möglichst seltene oder ausgefallene Fellfarben zu produzieren. Natürlich ist Farbe interessant, und gerade die Genetik dahinter finde ich spannend. Aber sie ist für uns nicht das Wichtigste.

Ein Hund ist nicht seine Farbe und auch nicht sein DNA-Ergebnis. Beides sind Informationen über ihn.

 

© Constanze Maaßen 2025. Alle Rechte vorbehalten.

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